Ursprünglich auf Spanisch veröffentlicht. José Antonio Montano. The Objective.

Die Nation ist keine Metaphysik, sie ist das Ergebnis der Geschichte. Es hängt vom Zeitpunkt ab. Seit 1978 bedeutet spanisch sein einfach nurAtmen“, es bedeutet nichts, es hat keine Inhalte und erwartet auch keine bestimmte Verhaltensweise. Spanisch sein bedeutet heute kein „Sein“ sondern ein „Haben“, das „Haben“  einer Bürgerschaft. Eine demokratische und europäische. Oder ein leeres, strukturelles Sein: eineBürgerschaft.

Die Metaphysik der Nationen, wie Nietzsche es über eine andere sagte, ist die Metaphysik des Henkers oder des Kerkermeisters, oder des Bedrückers, wörtlich des Bedrückers. Er bedrückt die Lungen und macht den Mund mit Melasse zu. Er erstickt.

Zu Francos Zeiten war „spanisch Sein“ auch erstickend, weil damals Inhalte, Zuspruch und bestimmte Verhaltensweisen verlangt wurden. Zudem gab es eine Gefühlsauflage, Bestimmung und Pathos. Das passiert im Moment mit dem katalanischen Nationalismus, unser existierender„Franquismus“. Ein Franquismus der ersten faschistischen Zeit und nicht der letzten verwässerten Zeit.

Der spanische Nationalismus ist heutzutage glücklicherweise irrelevant. Aber es ist eine Bestie, die manchmal erscheint, zum Beispiel als sie den Regisseur Fernando Trueba überfiel, weil er sich nicht spanisch fühlte. Idealerweise spricht man darüber und es passiert nichts. Normalerweise imAlltag, mit Ausnahme dieser kleinen lästigen Explosionen und mit wenigen Ausnahmen, passiert nichts. Das ist relevant.

„Spanisch sein“ habe ich vergangenen Sonntag in Barcelona erlebt. Ich war in der Demonstration mit Freunden aus Barcelona. Sie sahen (und manche trugen) die spanische Flaggen wie pure und frische Luft. Die Flaggen auf den Straßen zu sehen bedeutete für sie die Straßen zurückzugewinnen. Nicht für „Spanien“ sondern für die Bürger. Ihre einzige Erwartung ist vom Nationalismus in Ruhe gelassen zu werden. Die Stadt soll nicht nur einigen gehören, sondern allen. Das bedeutet dort Spanisch sein.